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Lausitzer Macher

Es gibt sie, auch wenn sie nicht immer präsent sind, im Vordergrund stehen. Lausitzer, die etwas bewegen. Hiergebliebene, Rückkehrer, Zugezogene. Privatpersonen, Initiativen, Unternehmer. Sie alle eint: Sie wollen die Lausitz voranbringen. Auf dieser Seite stellen wir sie vor: Macherinnen und Macher aus der Lausitz.

Bleiben Sie dran und folgen dem Hashtag #lausitzermacher!

Sie kennen Frauen und Männer, die mit neuen Ideen die Lausitz voranbringen? Schreiben Sie uns an zukunft@wirtschaftsregion-lausitz.de, Stichwort: Lausitzer Macher.


Sarah Gwiszcz macht wilde Spreewaldmode

Sarah Gwiszcz ist eine Wucht. Oder sagt man Erscheinung? Einigen wir uns auf imposante Persönlichkeit. Allemal in Lübbenau, diesem eher beschaulichen Spreewaldstädtchen. Mit rauem Charme werden hier die vielen touristischen Gäste begrüßt, die sich brav anstellen, um einen der begehrten Kahnplätze zu ergattern. Ausgerüstet mit ein paar kleinen Schnapsfläschchen kann man sich herrlich entspannt über 300 Kilometer Fließe staken lassen, mit Halt am Gurkenstand.

Ob Sarah Gwiszcz sich auch ab und an eine Spreewaldgurke gönnt, bleibt unbeantwortet. Nach einer gemütlichen Kahnfahrt scheint ihr der Sinn jedenfalls nicht zu stehen. Vermutlich würde die quirlige Modedesignerin eh gleich den ganzen Kahn umschmeißen. Stillsitzen ist nicht so ihr Ding. Als es sie nach der Schule in die große Stadt drängte, nach Berlin, auf die renommierte Akademie für Mode und Design, hatte sie schon eine Ahnung davon, dass die sorbisch-wendischen Trachten, die ihr als Kind vertraut waren, ihr Thema sein könnten. „Die Inspiration lag schließlich vor der Haustür.“ 

Dass Sarah Gwiszcz allerdings die traditionellen Formen und Farben unangetastet lassen würde, kann keiner vermuten, der ihr gegenüber steht. Sie war, wie sie freimütig erzählt „mehr so der Punk“ als Schülerin, hat sich mit Springerstiefeln an den Füßen und dem Aufnäher „Haut die Glatzen bis sie platzen“ auf dem Parka gelinde gesagt nicht das Wohlwollen des Schuldirektors eingefangen. Der revolutionäre Geist sitzt tief in ihr drin. Vielleicht auch deshalb hat sie ihr Label „Wurlawy“ genannt, was übersetzt „Wilde Spreewaldfrauen“ heißt. 

Spreewaldfrau trifft Mexiko

Irgendwann stößt sie auf die „Ofrendas“, bunt geschmückte und mit reichen Gaben versehene Altäre für die Verstobenen in Mexiko. Die Toten kommen der Sage nach jedes Jahr für einen Tag zurück zu den Lebenden und feiern mit ihnen. Das gefällt Sarah. Und ihr kommt der Gedanke, dass auch der traditionellen Tracht ihrer Heimat ein wenig von diesem Glauben an die Wiederauferstehung gut tun könnte. 

Die zur Feier gefertigten „Calaveras“, grellbunte Masken und Skelette aus Pappmaché, mit Blumen, Strass und Süßem ausgestattet, künden davon, dass der Tod der Beginn des Lebens ist. Und so finden diese Einflüsse ihren Weg in Sarahs Abschlusspräsentation an der Design- Akademie im Jahr 2012 mit bereits sehr positiven Reaktionen aus der Modewelt. Auf dem Hof ihrer Eltern in Ragow baut Sarah einen Schnitttisch und zwei Nähmaschinen auf und legt los. „Der Weg zu uns in die Pampa war nicht ganz so einfach, da ist bestimmt mancher wieder umgedreht.“ Doch der Kundenstamm wächst. 

Fashion Week als Sprungbrett

2015 lässt sie sich überreden, ihre Kollektion auf der Berliner Fashion Week zu präsentieren. Mit riesigem Echo.

Die Presse überschlägt sich. Sarah gibt ein Interview nach dem anderen, die Fernsehsender rufen an. Schnell wird ihre Nähstube zu klein, sie zieht um in einen Laden in die Neustadt von Lübbenau und von dort nach drei Jahren ins Zentrum. Anfang Januar 2019 eröffnet sie zur 5-Jahres-Feier ihr Atelier in der Altstadt und weiß sich vor Eintritt zahlenden Gästen kaum zu retten. „Es gibt ein neues regionales Selbstbewusstsein, einen positiven Stolz auf die Heimat, weit weg von dumpfer Abgrenzung. So eine Haltung kann man mit meinen Kreationen gut zum Ausdruck bringen.“ Der Bürgermeister von Lübben trägt einen Mantel von ihr. Brandenburger Unternehmerinnen stehen regelmäßig in der Tür. Eine Kahnführerin hat ihr berichtet, wie oft sie von Touristen auf die speziellen Modelle angesprochen werde, die Sarah für sie maßgefertigt hat.

Längst hat sie Unterstützung. Eine Schneiderin aus der Region näht die Einzelteile, Brautkleider und Festgewänder. Eine Cottbuser Schneiderei fertigt die Kleinserien für sie. Kumpels gestalten nach ihren Zeichnungen per Siebdruck originelle Shirts. „Ich mache nur noch die Entwürfe, die Schnitte. Zu mehr komme ich nicht.“ Und sie sorgt dafür, dass alle Accessoires nachweislich nicht aus Kinderarbeit stammen, fair produziert werden und weitgehend biozertifiziert sind. Ihre Stoffe sind größtenteils in der EU-produziert und nach dem Öko-Tex Standard Textiles Vertrauens zertifiziert. Der Tourismusverband hat ein Farbspiel in Rot bei ihr bestellt, um bei der Internationalen Tourismusbörse in Berlin unter den tausenden Ausstellern und Besuchern hervorzustechen. Ein großer Energieanbieter hat seine Messehostessen von ihr ausstatten lassen. „Da kommt ganz viel positives Feedback, das macht mich glücklich.“

Jugend für Spreewaldmode begeistern

Mit Workshops für Jugendliche und Modenschauen in Schulen versucht sie den Nachwuchs für ihr Thema zu begeistern. Da hat sie neulich doch tatsächlich den alten Schuldirektor wieder getroffen, der ihr Springerstiefel und Sprüche von einst nicht mehr nachtrug. Sarah Gwiszcz ist sichtlich zufrieden. Wegen der Kindererziehung den ganzen Tag zu Hause rumzugglucken könne sie sich nicht vorstellen. „Lieber weiß ich kaum, wie ich alles schaffe“, sagt sie lachend und schiebt uns in Richtung Tür. „Die Kunden müssen so schon zwei Monate auf ihre Bestellungen warten, da kann ich jetzt nicht noch mehr Zeit mit Euch verplempern.“

www.wurlawy.de

(Text: Axel Krüger, Foto: Paul Glaser)

Wurlawy - Mode für wilde Spreewaldfrauen

(Fotos: Paul Glaser, Frank Müller)


Ina Lachmann und Henry Hedrich betreiben das Hotel Insel der Sinne

Ina Lachmann und Henry Hedrich betreiben das Hotel „Insel der Sinne“ am Berzdorfer See. Ihr Weg führte sie über ein Interrail-Ticket, Studium, durch viele Amtstuben nun bis ans Ufer des Berzdorfer Sees.

Als die Grenzen auf waren und die Schule vorbei, da wollten Ina Lachmann und Henry Hedrich nur eins: reisen. Das Radeberger Mädchen und der Junge aus Pulsnitz träumten von der Welt, von exotischen Ländern und fremden Kontinenten. Mit einem Interrail-Ticket ging das Paar auf seine erste große Tour und fing sich gleich einen Virus ein. Fernweh hieß der. In Ina schlummerte der schon, seit der Opa aus der BRD immer mal wieder eine „Hörzu“ in’s Westpäckel gelegt hatte. Dass die bunten Tropenbilder mit den fröhlich tanzenden Eingeborenen nicht ganz der Wirklichkeit entsprachen, ahnte sie als Kind noch nicht. 

„Die letzten Schuljahre“, erinnert sich die elegante Hotelchefin bei einem Espresso mit Blick auf den bewegten Berzdorfer See „waren seltsam. Das ist nun über 20 Jahre her. Ganz viele unserer Lehrer waren weg. Das war eine harte Zeit.“ Wie viele andere hatten die beiden das Gefühl, nach dem merkwürdigen Vakuum erstmal zu sich selbst finden zu müssen. In München verdienten sie sich das Geld für den nächsten Trip zusammen. Für ein halbes Jahr wollten sie nach Afrika. Was sie dort, neben all der Exotik, an Armut und Elend sahen, gab ihnen den Impuls für ihren weiteren Weg. Ina schreibt sich nach der Rückkehr an der Leipziger Handelshochschule für internationale Betriebswirtschaftslehre ein, „um die Welt zu verbessern.“ Für Henry war aus dem gleichen Grund klar, dass er Arzt wird. Ehrgeizig ziehen sie ihr Studium durch und haben schon damals eine ganz bestimmte Idee. 

„Wenn es sehr anstrengend war, hat uns immer die Nähe von Wasser zur Ruhe gebracht. Wir hatten einen gemeinsamen Traum. Wir wollten eines Tages einen ganz besonderen Ort am Wasser schaffen.“ Ina steigt nach dem Studienabschluss als Trainee bei Bosch ein, arbeitet sich hoch bis zur Projektmanagerin. „Das ist mein Ding. Hochkomplexe Aufgaben mit knappen Ressourcen stemmen. Und sofort wieder etwas Neues auf dem Tisch zu haben. Ich mag Herausforderungen.“ Henry arbeitet als angestellter Internist in verschiedenen Kliniken. Im Rahmen einer Zusatzausbildung zum Gesundheitsökonom beschäftigt er sich mit wirtschaftlichen Zusammenhängen. Was sich für das Hotelprojekt später als sehr wertvoll erweisen wird. 

Auf der Suche nach dem Platz am See

In den nächsten Jahren sehen sie sich in mehreren Ländern geeignete Plätze an Seen, an Flüssen, am Meer an, sprechen mit den Menschen vor Ort über ihre Idee. Und kommen doch für ihr Gefühl nicht wirklich richtig damit an. „Klar, der wirtschaftliche Effekt wurde schon wahrgenommen. Aber wir selbst sind mit dem kühlen Begriff Investor nie glücklich gewesen. Es war doch vielmehr ein Herzensprojekt.“ 
Dann wird die alte Heimat wieder zum Thema. Der Wunsch nach Kindern stärkt den Gedanken, sich in vertrautes Terrain zu begeben. Ina und Henry sehen sich Wassergrundstücke in ganz Deutschland an. „Im Westen hatten wir das Gefühl, dass alles schon fertig ist. Da brauchte uns niemand, da waren nur Baulücken zu füllen.“ Selbst Leipzig mit dem schon gut entwickelten Cospudener See bot zu wenig Gestaltungsfreiraum. Im Frühjahr 2008 stehen sie bei eisigen Temperaturen am Rand des riesigen Tagebaulochs vor den Toren von Görlitz. 

„Hier war noch nichts, hier war noch keine See-Seele, die andere geformt hätten. Wir haben gespürt, dass das der Platz ist, wo wir uns entfalten können.“ Auch die Nähe einer Stadt war beiden wichtig, mit Schulen, Kultur. Und mit Menschen, die einen guten Hausarzt brauchten. 

Im Görlitzer Rathaus willkommen

Im Görlitzer Rathaus stießen sie auf offene Ohren. „Ja, wir suchen Leute, die sich am See engagieren, macht mal los“, hieß es dort. „Wir haben uns sofort an den Businessplan gesetzt, die wirtschaftlich optimale Größe für ein Hotel nach unserer Vorstellung errechnet, Kosten kalkuliert.“ Anfangs machen das die beiden noch aus der Ferne. 2011 zieht die junge Familie dann in die Neißestadt. Henry Hedrich sucht gezielt nach einer Hausarztpraxis, in die er als Partner einsteigen kann. Ihn treibt der Wunsch, mehr Einfluss auf das Gesundheitsverhalten seiner Patienten nehmen zu können. Bei Ina Lachmann kündigt sich inzwischen das zweite Kind an. „Henry und unser Architekt Wolfgang Kück saßen in der Zeit Nacht für Nacht über den Plänen. Ich war mit den Kindern gut beschäftigt.“ Der Dank über das, was ihr Mann in diesen Monaten geleistet hat, ist ihr deutlich anzusehen. 

Es folgen zahlreiche Sitzungen mit dem Planungsverband und der LMBV als Grundstückseigner. „Es gab keine Vorbilder an dieser Stelle. Wir haben insgesamt mit 33 Ämtern verhandelt, für die war das auch Neuland. Das frisst Zeit.“ Ein Grundstück zu kaufen, das unter Bergbaurecht steht, sei „sehr speziell“ sagt Ina Lachmann. Ihr Blick lässt nur erahnen, was das bedeutet. Kaum eine Bank lasse sich auf so etwas ein. Mehr als einmal haben sie und ihr Mann gehört: „Und was ist, wenn da was in`s Rutschen kommt?“ Also sind die beiden vorfristig in die Kosten gegangen. Haben Planungen und Bodenuntersuchungen bezahlt, bevor der Kredit dann doch endlich kam. „Einen klassischen Investor schrecken solche unklaren Bedingungen ab. Der verhandelt nicht zwei Jahre lang in`s Blaue, dann ist er mitsamt seinem Geld längst woanders.“ Für die weitere Entwicklung am See sei das eine große Hürde. Insgesamt sind fünf lange und intensive Planungs-, und Genehmigungs-Jahre mit vielen Höhen und Tiefen vergangen bis der erste Spatenstich gesetzt werden konnte. 

Es ist geschafft: Die Oase öffnet ihre Türen

Als sie am 13. Juli 2018 ihr Hotel „Insel der Sinne“ mit zahlreichen begeisterten Gästen eröffnen, sind all die Zweifler vergessen, die während der Bauphase geunkt hatten, dass das nichts werden kann. Auch die Kritik, dass genau hier jetzt nicht mehr jedermann baden gehen könne, ist angesichts der 17 Kilometer langen Uferlinie verstummt. 45 Mitarbeiter sorgen im Hotel für das Wohl der Gäste. Die Köche könnten, wenn sie Zeit hätten, aus einem Panoramafenster die Segelboote vorbeiziehen sehen. Im Internet reiht sich eine gute Bewertung an die andere. 

Das schönste Kompliment aber, so meint Ina Lachmann abschließend, kam von einer älteren Dame „Wir hatten allen im Landkreis Görlitz Wohnenden angeboten, für die Hälfte des Preises bei uns zu übernachten. 140 Gäste haben das im Aktionszeitraum von zwei Wochen angenommen.“ Die alte Dame war auch dabei und sagte beim Abschied: „Ich war eine von denen, die rumgemeckert hat, warum so ein hässlicher Betonklotz an den See gebaut wird. Jetzt bin ich so stolz und dankbar, dass es sie gibt.“ 

Aus dem „Betonklotz“ der Rohbauphase ist ein Gebäude geworden, das sich durch seine Holzverkleidung auf eine feine Art zurücknimmt, das sich in die Natur einpasst und seinen Gästen einen weiten Blick über den See gewährt. Die hellen Räume strahlen Ruhe aus, nichts lenkt den Blick von Naturfarben und Naturmaterialien ab. Es ist tatsächlich ein Ort zum Loslassen und bei sich Ankommen geworden. So wie es Ina und Henry auf Ihren Reisen erträumt haben. 

Nachtrag: als der Bericht bereits geschrieben war, kam eine lange Mail von Ina Lachmann, in der sie darauf hinwies, wie einmalig sie es fände, dass nahezu alle Dienstleistungen, vom Architekt über sämtliche Baufirmen, Planer und Statiker bis zum Gärtner und der Designerin des Hotellogos aus der Region kämen. Das sollten wir doch unbedingt noch mit reinpacken. Gerne, Frau Lachmann.

www.inseldersinne.de

(Text: Axel Krüger, Foto: Paul Glaser)

Eine Insel der Sinne am Berzdorfer See

(Fotos: Paul Glaser, Insel der Sinne)


Michael Stein, KSC

Michael Stein macht ein Kraftwerks-Schwergewicht fit für die Zukunft

KSC-Chef Michael Stein stellt den Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau mit neuen Ideen auf die Veränderungen im Lausitzer Revier ein.

Als Dienstleister der Energiewirtschaft ist KSC unbestritten ein Branchen-Schwergewicht in Ostdeutschland. Mit großem Erfahrungsschatz halten die gut 200 festangestellten Mitarbeiter auch die Lausitzer Braunkohlekraftwerke in Schuss. Damit leistet die Kraftwerks-Service Cottbus Anlagenbau GmbH (KSC) einen Beitrag für eine zuverlässige Stromversorgung. Zugleich aber steht das in Peitz ansässige Unternehmen mit seinem Leistungsspektrum im Zentrum der voranschreitenden Strukturentwicklung. Und deshalb hat KSC-Chef Michael Stein mit der Neuorientierung längst begonnen. Ihm muss keiner erzählen, wie wichtig es ist, das eigene Geschäftsfeld stetig zu erweitern. Als Ausgründung des heute unter LEAG firmierenden Kraftwerksbetreibers hing sein Umsatz 1996 vollständig an der ostdeutschen Braunkohle. Heute liegt der Anteil nur noch bei etwa einem Drittel.

Zukunftsmarkt Leichtbau

Jetzt spielen Aufträge und Projekte für Blockheizkraftwerke, thermische Abfallbehandlungsanlagen oder der Rohrleitungsbau in dezentralen Industrieanlagen eine immer größere Rolle. Und für die bestehende Strukturentwicklung arbeitet Michael Stein mit seinem Team und der Wissenschaft an der Entwicklung moderner Energieerzeugungsanlagen. Zudem baut das Unternehmen seit einiger Zeit ein Standbein im Schienenfahrzeugbau auf. „In dem Bereich erarbeiten wir zunehmend eigene Komponenten.“, betont der Firmenchef. Ein Schlüsselbegriff dabei sei der Leichtbau. In einem Konsortium mit der BTU Cottbus-Senftenberg habe KSC gerade einen neuartigen Leichtbau-Container entwickelt. Der Prototyp wurde 2018 auf der Innotrans vorgestellt.

Wichtiger Faktor: Mitarbeiter

Damit gehört KSC zu den Unternehmen, die dazu beitragen, dass die Lausitz eine Energie- und Industrieregion bleibt. Stein: „Natürlich kann nicht alles sofort die Kohle und deren Verstromung ablösen. Aber mit Ideenreichtum und der notwendigen Unterstützung ist der Wandel machbar. Vor allem weil wir hier in der Region richtig gute Fachkräfte haben.“

Auch andere Projekte unterstreichen, dass KSC, mit seinen drei Hauptstandorten Peitz, Hagenwerder und Lippendorf, auf dem Weg ist. Stets geht es darum, vorhandenes Knowhow weiterzuentwickeln und neue Anwendungen zu ermöglichen. Eines ist dem Unternehmenschef dabei besonders wichtig: „Die entsprechende Qualifizierung unserer Leute“.

www.ksc-anlagenbau.de

(Text: Markus Füller, Foto: KSC)


Heiko Rauhut: Alles für die Füchse

Fährt man an einem graunebeligen Januartag durch den Nochtener Forst Richtung Weißwasser, ist ein gewisser Mangel an optischer Ablenkung beim besten Willen nicht zu übersehen. Die langgezogene Straße durch einen der größten Truppenübungsplätze Deutschlands bietet beim Blick aus dem linken Seitenfenster von breiten Sandwegen durchzogene Kiefernwälder. Blickt man rechts aus dem Fenster, sieht man ziemlich genau das gleiche. Da hilft nur das Autoradio mit dem Besten aus allen Jahrzehnten zur Aufheiterung oder die Aussicht, in einer halben Stunde Heiko Rauhut kennen zu lernen. 

Das telefonische Vorgespräch zumindest lässt erahnen, dass es ein munterer Termin wird. Ohne eine Sekunde zu zögern, hatte der 38jährige einem Interview für diese Zeitung freudig zugestimmt und mehrfach betont, dass sein Lebensweg nicht so der allernormalste sei. „Aber ideal geeignet, um anderen zu zeigen, dass es sich lohnt, immer wieder aufzustehen. Und dass es sich in der Lausitz echt gut leben lässt.“ Na, wir sind neugierig. 

Was das Fanherz begeistert

Von außen ist die Eishockeyarena von Weißwasser alles andere als ein Schmuckbau. Funktionaler Beton, ein paar spartanisch ausgerüstete Büros für die Verwaltung des großen Betriebes und jede Menge Parkplätze. Vier davon laut Schild wörtlich für die „Schiris“. Diese an einem Wochentag ohne Spielbetrieb einfach zu benutzen, erweist sich allerdings als gefährlich. Sagt zumindest Heiko Rauhut, der uns in der Tür des schicken Fanshops der Lausitzer Füchse freundlich begrüßt. „Stellt die Kiste mal besser da draußen vor dem Zaun neben meine, sonst kommt glei’ das Ordnungsamt.“

Wir tun brav wie geheißen und bewundern anschließend pflichtgemäß die vielen bunten Dinge, die das Herz eines Eishockeyfans höher schlagen lassen. Schals natürlich, Käppis aller Art, Shirts und Jacken, Pucks und Schoner, Lätzchen für die Kleinsten und für die Größeren sogar ein eigens gelabelter Rotwein. Im Schmuckkästchen mit zwei edlen Gläsern, natürlich aus Lausitzer Produktion. Wir sind ja in der Glasmacherstadt. Wer kauft denn das alles? „Die Fans, die Anhänger, die treuen Begleiter, ohne die ein Sportclub wie die Lausitzer Füchse nicht existieren könnte“, beteuert Rauhut. Gar nicht so wenig Geld lassen sie da, um ihre Zugehörigkeit auszudrücken und die Mannschaft zu unterstützen. 60 Euro kostet ein Originaltrikot. 90 ein Kapuzenpulli. „Ich hab das Design dafür gemacht, in Abstimmung mit unserem Vermarktungspartner.“ Da klingt Stolz aus der Stimme.

Der Traum von der Profi-Karriere

Im November 2017 wurde der Fanshop unmittelbar neben dem Fuchsbau eröffnet. Heiko Rauhut leitet ihn als Angestellter des Vereins von Anfang an. Der Weg dahin war kurvig. Als Knirps steht er schon auf den Schlittschuhen, spielt beim damaligen Verein Dynamo Weißwasser, träumt wie seine Kumpels von einer Profi-Karriere. Mit 17 Jahren endet der Traum. Massive Knieschäden. „Nach fünf schweren Operationen bin ich als 21jähriger an Krücken gegangen und in ein tiefes dunkles Loch gefallen.“ Nach einem Jahr rappelt er sich auf. Will nicht wie der eigene Vater enden, der sich dem Alkohol ergeben hat. „Ich hab’ ganz vorsichtig wieder mit Sport angefangen. Mich an die Trainingsgrundsätze von früher erinnert. Dass man nach Niederlagen immer wieder aufstehen muss.“ 

Die Kraft der positiven Gedanken richtet ihn auf. Er fährt Rennrad, spielt Hallenfußball und Tennis. Und er sieht wieder Licht am Ende des Tunnels. Eine Ausbildung zum Bürokaufmann schließt er erfolgreich ab, obwohl sein Vater vier Tage vor der mündlichen Prüfung stirbt. Er kämpft sich durch verschiedene Jobs bis er während eines Urlaubs bei Freunden in Baden-Württemberg eine Chance beim Schopf fasst. Ein Lidl-Markt soll eröffnet werden. Er bewirbt sich, bekommt sofort eine Zusage. Und zieht um. „Ich wollte mein Leben neu ordnen.“ 

Ticket zurück in die Heimat

Was folgt, ist ein kometenhafter Aufstieg vom Regaleinräumer bis zum stellvertretenden Standortleiter. Was bleibt, ist das Heimweh. Jeden Urlaub nutzt er, um Mutter, Schwester, Freunde und den geliebten Eishockeyverein zu besuchen. 2014 vertraut ihm die Lidl-Führung eine eigene Filiale mit 22 Mitarbeitern an. „Das war so ein wahnsinniger Lernprozess.“ Arbeit, Geld, Lebensstandard, alles stimmt. Nur die Familie fehlt. Er stellt einen internen Versetzungsantrag und hat Glück. Eine Filialleiterposition in Großräschen ist frei. Aus 600 Kilometern bis nach Hause werden 50. 

Dann war da die Annonce. Die Lausitzer Füchse suchen einen Leiter für den Fanshop. Seine Lausitzer Füchse. Heiko Rauhut überlegt nur kurz. Am 2. November 2017 steht er reichlich aufgeregt zum ersten Mal hinter dem schicken Tresen. Ab sofort ist er verantwortlich für den Verkauf von Sport- und Fanartikeln, organisiert Autogrammstunden mit den Spielern, kümmert sich darum, dass Ausrüstungen signiert werden, betreut Social-Media-Kanäle, macht dafür permanent Fotos und kleine Filme. Kurz: er sorgt für Fannähe. 

Wie fühlt es sich an, wieder in der Heimat zu sein? „Unglaublich schön. Ich hab’ sofort wieder ganz enge Freundschaften geschlossen. Die Leute, die hiergeblieben sind, freuen sich tierisch, wenn einer zurückkommt“. „Vom Angebot her vermisse ich nix. Ich hab’ mein Fitti, meine Cafés, ich geh in Konzerte, fahre mal nach Dresden und ganz oft an die Seen hier in der Gegend. Ich bin wieder in der Region, die mich zu dem gemacht hat, was ich bin.“ 

Bilder Heiko Rauhut:

Heiko Rauhut vor dem Eingang des Fanshops
Heiko Rauhut im Füchse-Stadion

Den Artikel haben wir in einer gekürzten Fassung in der 1. Ausgabe der neuen Revierzeitung W.I.R. veröffentlicht.

(Text: Axel Krüger, Fotos: Paul Glaser)

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