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Nachlese zum Werkstattgespräch „Nachwachsende Rohstoffe in der Lausitz - Nutzhanf“

Hat die Lausitz das Zeug zur Hanf-Hochburg?

Das Werkstattgespräch „Nachwachsende Rohstoffe in der Lausitz – Naturhanf“ fand am 3. Dezember 2019 im Kulturhaus Proschim statt. Für die Veranstaltung interessierten sich ca. 50 Teilnehmer aus Landwirtschaft und Gartenbau, Wissenschaft und Forschung, Wirtschaft, Kultur, Politik, Verwaltung und Gesellschaft. Es war die erste gemeinsame Aktion der Bürgerregion Lausitz, des DGB Südbrandenburg, der Lausitzer Perspektiven und der Zukunftswerkstatt.Transdisziplinarität und neue Allianzen – wer die Themen der Zukunft erfolgreich bearbeiten will, muss runter von den eingetretenen Pfaden.

Die Eröffnungspräsentation hielt Lukas Hinkelmann. Er arbeitet zurzeit an einem Film zur Cannabispflanze und stellte zunächst die Verwendung von Nutzhanf in traditionellen wirtschaftlichen Kreisläufen vor (z.B. in Nepal). Zusätzlich wurden Hanfprodukte (Samen, Schokolade) ins Publikum gereicht. Der zweite Teil des Vortrags, der sich mit Nutzungsmöglichkeiten der Pflanze in der Praxis beschäftigte, schaffte eine Überleitung zum zweiten Vortrag von Dr. JürgenPaulitz vom Ingenieurbüro für Naturfasertechnologien in Dresden. Er beleuchtete die Einsatzmöglichkeiten von Nutzhanf in der Industrie, die Bedingungen in der Region, finanzielle Herausforderungen sowie gesamtökonomische Hintergründe zum Anbau. Auch technische Details zu Anbau, Ernte und Verarbeitung wurden thematisiert.

Dr. Paulitz sagte, dass die Etablierung des Hanfanbaus in der Lausitz möglich wäre. Der Entwicklungsprozess müsste sich jedoch an die Bedürfnisse der Industrie und des Welthandels anpassen und das Produkt konkurrenzfähig gegenüber Wettbewerbern in Europa und China sein. Bedeutet: Man benötigt neueste Technik für Ernte und Verarbeitung und innovative Produkte. Eine Herausforderung sind die hohen Qualitätsnormen in der Industrie (z.B. im Automobilsektor). Es werden riesige Mengen des Nutzhanfes benötigt und die hohe Qualität muss durchgängig gewährleistet sein.

Neben den industriellen Einsatzmöglichkeiten stellte Dr. Paulitz bisherige Lausitzer Erfahrungen mit Nutzhanf vor. Dabei wurden sowohl gescheiterte Versuche zwischen 1996 und 2002 genannt, aber auch bis heute vorhandene Betriebe wie die „Hanffaser Uckermark“ vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Vortrages widmete sich Dr. Paulitz zudem technischen und finanziellen Herausforderungen. Allein wegen der erheblichen Investitionen macht es Sinn, regionale Akteure unter einem Dach zu vereinen, mit ihnen ganzheitlichzu planen und ein Konzept zur Gemeinschaftsnutzung von Erntemaschinen und weiterer zu erarbeiten. 

Fazit des Vortrags aus Sicht der Zukunftswerkstatt Lausitz: Der Nutzhanfanbau in der Lausitz braucht eine zentrale, ganzheitliche Planung unter Einbeziehung aller relevanter Akteure in der Region. Leitfragen sind dabei: Wo und in welchem Umfang soll angebaut werden? An welchem Ort wird das Rohprodukt verarbeitet? In welcher Form können Forschungsinstitutionen einbezogen werden? Wie können lokale Strukturen von der Wertschöpfung profitieren? Welche Endprodukte entstehen und wo sollen diese eingesetzt werden? Diese und weitere Fragen könnten Teil einer Machbarkeitsstudie sein.

Im zweiten Teil der Veranstaltung wurde mit Hilfe moderner Methoden in Gruppen gearbeitet. In einem „World Café“ ging es um eine Machbarkeitsstudie, Tradition und Innovation sowie Netzwerkbildung. Zweiter methodischer Ansatz war ein „Hands-on camp für haptisches Denken“. Hier ging es um die Fragestellung "Was braucht es für einen erfolgreichen Hanfanbau in der Lausitz?", geleitet  von Anna Hofmann und Björn Huwe. Sie sind über die Universität Potsdam, Fachbereich Wirtschaftsinformatik mit dem Forschungsprojekt „Die Bioökonomische Transformation“ mit der Thematik verbunden. (Infos: https://www.lswi.de/forschung/forschungsprojekte/direbio).

Die Ergebnisse der Gruppenarbeit können für spätere Phasen hilfreich sein, um Nutzhanf als natürlichen Rohstoff zu etablieren. Der Kreis der Hanf-Experten  und -enthusiasten wird sich bereits im Januar 2020 erneut treffen. Ziel ist es, eine Machbarkeitsstudie zur Schaffung von regionalen Wertschöpfungsketten im Bereich Bioökonomie und Nachwachsende Rohstoffe anzustoßen.

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